5 rote Flaggen bei chinesischen Herstellern — und wie Sie sie erkennen
Nach fünfzehn Jahren in der Qualitätssicherung — davon mehreren Jahren in chinesischen Werkshallen — habe ich gelernt, dass die gefährlichsten Probleme nicht die lauten sind. Die lauten hört man. Die leisen, alltäglichen Dinge sind es, die später teuer werden.
1. Das Prüflabor ist „gerade nicht verfügbar"
Letzten Monat stand ich in einer Halle in Anhui. Saubere Produktion, freundliche Mitarbeiter, alles gut. Ich fragte nach dem Prüflabor. „Ach, heute leider geschlossen, Wartung." Das war ein Dienstag um 10 Uhr. Ein QC-Labor, das nur dienstags nicht läuft? Oder nur, wenn ein Auditor kommt? Ich habe es notiert. Der Kunde weiß jetzt, dass er bei der nächsten Charge selbst prüfen sollte.
2. Chargenkennzeichnung existiert nur auf dem Papier
„Selbstverständlich haben wir Rückverfolgbarkeit." Dann zeigte mir der Werksleiter einen Ordner voller Prüfprotokolle. Schön. Aber als ich zu der Palette ging, die gerade verpackt wurde, und fragte: „Welches Protokoll gehört zu dieser Charge?" — zehn Minuten Suche, drei Mitarbeiter, kein Ergebnis. Dokumentation ohne physische Verknüpfung ist Schmuck. Nicht mehr.
3. Alle Antworten sind „kein Problem"
„Können Sie diese Toleranz halten?" — „Kein Problem." „Auch bei 10.000 Stück?" — „Kein Problem." „Auch im August, wenn hier 40 Grad sind?" — „Kein Problem."
Ein ehrlicher Hersteller sagt: „Bei 40 Grad müssen wir die Klimaanlage laufen lassen, das kostet extra, aber ja, wir können es." Das ist der Unterschied zwischen einem Verkäufer und einem Partner.
4. Die Maschinen sind neuer als die Mitarbeiter erfahren
Ein Werk in Jiangsu: sechs neue CNC-Maschinen, keine älter als zwei Jahre. Beeindruckend. Dann fragte ich den Bediener nach der Werkzeugwechselzeit. Er schaute auf den Kollegen. Der Kollege schaute auf den Meister. Der Meister war in der Pause.
5. Referenzen lassen sich nicht überprüfen
„Wir liefern an einen großen deutschen Automobilzulieferer." Großartig. Dann zeigen Sie mir das Abnahmeprotokoll. „Das haben wir nicht hier." Den Ansprechpartner? „Das dürfen wir nicht sagen." Den Auftragsbeleg? „Vertraulich."
Ich habe schon in Werken gestanden, die tatsächlich für internationale Konzerne produzierten — die hatten das Protokoll parat, den Kontakt, die Chargennummer. Wer nichts zeigt, hat nichts.
Was das alles bedeutet
Keines dieser Zeichen bedeutet automatisch: weglaufen. Aber jedes bedeutet: genauer hinschauen. Fragen stellen. Messen, nicht glauben. Das ist der Unterschied zwischen einem Katalogbesuch und einem echten Audit — und genau das ist es, was ich vor Ort mache.
Sie planen einen Werksbesuch in China oder wollen einen bestehenden Lieferanten prüfen lassen?
Gespräch vereinbaren →